Rheinische Resilienz

„Frohes, neues Jahr! Was für ein Glück, dass das alte vorbei ist!“: Die Mitarbeiter eines Stammkunden von mir haben 2018 sicher so oder mit ähnlichen Worten begrüßt.

Das alte Jahr 2017 war für den Kunden wirklich hart gewesen: Wie so vielen, weht auch ihm ein rauer Wind entgegen. Seine Branche ändert sich rasant, die Strukturen im Inneren müssen folgen. Doch sie passen sich längst nicht so schnell an, wie sie müssten. Im Eifer des Gefechts unterlaufen Führungsfehler und als wäre das nicht genug, hat sich die Presse eingeschaltet. Negativ-Berichte machten die Runde, die allen Beteiligten außerordentlich peinlich waren. Ein fürchterliches Jahr, da sind sich alle einig.

„Ihr habt es doch geschafft!“

Ein Stammkunde, wie gesagt. Alljährlich kommen die Teamleiter und ich zu einem Treffen zusammen. Wir nutzen das Jahresende, um zurückzublicken und ein Thema der sozialen Kompetenz zu diskutieren.

Dieses Mal habe ich die Resilienz aufgegriffen. Das lag nahe, denn wie jeder weiß, haben Führungskräfte in der Sandwich-Position einen besonders schweren Stand. Wenn es im Unternehmen turbulent zugeht, müssen sie in alle Richtungen vermitteln. Doch wer kümmert sich um sie?

Resilienz beschreibt die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen – und zwar mit Hilfe der eigenen sozialen und persönlichen Kompetenzen. Menschen, die ihre Resilienz gut ausgebildet haben, gehen gestärkt aus Krisen hervor. Sogar noch mehr: Eine Krise bewerten sie als einen Anstoß zur persönlichen Weiterentwicklung.

Da saßen wir also beisammen, die Teamleiter und ich. Viele wirkten erschöpft, teilweise angeschlagen. Hatten die Teamleiter eigentlich einen Blick dafür, was sie 2017 geleistet haben? Mein erster Impuls war, die den Blickwinkel zu prüfen. Ja, es war schwierig gewesen. Aber sie hatten sich durchgebissen. Darauf dürfen sie stolz sein!

„Was machen wir daraus?“

Vermutlich wird die Zukunft nicht einfacher werden. Deshalb ist es für jeden von uns wichtig, die Fähigkeit zur Krisenbewältigung ganz allgemein zu schulen.
Im Team haben wir das Jahr 2017 Revue passieren lassen.

Am Ende hatten wir uns einig das vergangene Jahr

  • als Lernfeld zu betrachten und damit die Opferhaltung zu verlassen,
  • den Optimismus zu bewahren,
  • die Situation in ihrer Realität zu erkennen,
  • und immer wieder kreativ nach Lösungen zu suchen.
  • Auf sich aufpassen und gut für sich zu sorgen.
  • Verantwortung für sich und die eigenen Situation zu übernehmen.
  • Gute, wertschätzende Beziehungen zu pflegen
  • und die Gestaltung der eigenen Zukunft aktiv zu betreiben.

Im Laufe des Tages haben die Teamleiter ihren Blick auf die zurückliegenden Ereignisse erweitert. Wir haben uns positiv und nachdenklich verabschiedet.

„Et kütt wie et kütt!“ Resilienz, rheinländisch

Auf dem Weg nach Hause bin ich in Gedanken noch ganz bei den Teamleitern. Wie so oft bleibe ich an der Bahnhofsbuchhandlung stehen und stöbere bei den Postkarten. Mir fällt das Rheinische Grundgesetz in die Hand. Ich lese es und lächele. Es ist einfach zu schön … doch STOP! So habe ich es noch nie gesehen. Ich lese es nochmal und nochmal. Es gibt keinen Zweifel. Das ist Resilienz pur!

Et es wie et es!
Es ist wie es ist! Sieh‘ den Tatsachen ins Auge!

Et kütt wie et kütt!
Es kommt wie es kommt! Habe keine Angst vor der Zukunft!

Et hätt noch immer jot jejange!
Es ist bisher noch immer gut gegangen! Du hast es doch auch bis hierher geschafft. Lerne aus der Vergangenheit!

Wat fott es, es fott!
Was fort ist ist fort! Jammere den Dingen nicht nach!

Et bliev nix wie et wor!
Es bleibt nichts wie es war. Sei offen für Neuerungen!

Drinkste ene met?
Trinkst du einen mit? Komme dem Gebot der Gastfreundschaft nach! Vernetze Dich!

Do laachste Dich kapott!
Da lachst Du Dich kaputt. Bewahre Dir Deine gute Einstellung zum Humor!

Et bliev nix wie et wor! Auch für mich

Ich freue mich über das rheinische Blut in mir und sinniere über die großen Veränderungen, die für mich anstehen. Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr habe ich mit Aussortieren und Packen verbracht. Vieles, was mich über Jahre begleitet hat, wandert in die Tonne oder ich verkaufe es zu Spottpreisen. Wat fott es, es fott!

Gleich zu Beginn des Jahres werde ich nach Wiesbaden umziehen. Meine Heimat, Düsseldorf, verlasse ich. Hier bin geboren und zur Schule gegangen. Ich kenne die Cafés, Kneipen, Restaurants. Mir wird bewusst, wie verwachsen ich bin. Et bliev nix wie et wor!

Doch es gibt einen Grund, weshalb ich den Schritt wage. Ein Herzenswunsch ist in Erfüllung gegangen. Er und ich, wir werden kaum 500 Meter vom Rhein entfernt leben. Er ist Rheinländer, übrigens. Dafür lohnt es sich, wenn ich an Heiligabend mitten im Chaos unter den Kerzen „dat ärm Dier krich“ (das heulende Elend kriege).Et es wie et es!

Letztlich weiß ich mit optimistischem Rückblick auf mein Leben: Et hätt noch immer jot jejange! Ich gehe in eine positive und „reiche“ Zukunft.

2017 ist so viel in Bewegung gekommen. 2018 wird ein gutes Jahr. Ich bin ganz sicher.

Auf ein Neues! Auch Ihnen ein gutes Jahr 2018.

Und Sie wissen ja, letztlich wird es alles gut und : „et kütt wie et kütt“…