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55plus: Wie Sie entspannt die digitale Welle reiten

Nehmen Sie digitale Aufgaben spielerisch und vertrauen auf Ihre Fähigkeit, Neues zu meistern. Sie können das. Doch. Ganz sicher. Das haben Sie schon tausend Mal bewiesen.

Alle Welt geht online und Sie ärgern sich: richtig? Bei den anderen sieht alles so leicht aus, nur bei Ihnen funktionieren die Dinge nicht so, wie Sie sich das vorstellen. So scheint es zumindest. Typisch für die Generation 55plus: Mit sich und ihren technischen Unzulänglichkeiten geht sie viel zu hart ins Gericht. Machen Sie es leichter. Sie haben allen Grund dazu.

Die Menschen um 55 sind im Moment ordentlich gefordert. Ich gehöre dazu und vielleicht auch Sie. Die Welt ist vollständig im Online-Modus. Wir dagegen haben noch gelernt, miteinander zu sprechen, anstatt Sprachnachrichten über WhatsApp zu versenden. Wir waren in „Besprechungen“ und haben „Telefonate“ geführt. Heute dagegen ist man in „Calls“ und „Meetings“.

Als wäre das nicht genug, kommt jetzt auch noch die C-Krise dazu. Wir alle wollen sie heil überstehen und nach Möglichkeit auch noch einen Nutzen daraus ziehen. Krisen bergen ja bekanntlich auch Chancen – selbst wenn ich das Wort kaum noch hören mag. Geht es Ihnen auch so?

Das alles haben wir schon erlebt und gemeistert!

Zurück zum Digitalen: Zweifeln auch Sie manchmal, dass Ihnen der digitale Wandel gelingt?

Machen Sie sich bewusst, welche fundamentalen Veränderungen unsere Generation bereits erlebt und bewältigt hat. Denken Sie an die zunehmende Demokratisierung, Pluralisierung, Globalisierung sowie ein wachsendes Körper- und Umweltbewusstsein. Unser Leben ist mit dem unserer Eltern nicht mehr zu vergleichen: Wir sind ungleich liberaler und dank unserer Reisefreudigkeit weltgewandter geworden.

Zugleich haben erleben wir, dass die Wirtschaft nicht ewig wächst, erste starke Einbrüche in der Konjunktur, beginnende Arbeitslosigkeit, die ersten staatlichen Haushaltsprobleme und Einschnitte im Wohlfahrtsstaat, das Ozonloch, Wald- und Artensterben, die Auswirkungen der Atomkraft und noch anderes mehr.

Und die Technik. Natürlich.

In unserer Kindheit haben sich viele von uns in der nahegelegenen Buchhandlung herumgedrückt, um heimlich im ausgestellten Lexikon zu blättern. Information war wertvoll. Heute überflutet sie uns.

Nehmen Sie das alles mal zusammen: Wir haben enorme Lernprozesse hinter uns, auch und ganz besonders digitale. Wir dürfen uns wirklich einmal auf die Schulter klopfen. Das haben wir gut gemacht!

Ausprobieren und spielen: So macht Lernen Spaß.

Es wäre so schön, sich auf diesem Erfahrungsschatz ausruhen zu dürfen, doch es geht weiter. Wir müssen beweglich bleiben und lernen, auch digital. Eine wichtige Frage dabei ist: Was haben wir davon? Inwieweit können wir vom digitalen Sprung profitieren und wie bringt er uns weiter?

Mein jüngstes Testfeld sind Zoom Meetings. Die ersten waren ausgesprochen holprig. Ich war langsamer als meine Kollegen. Meine Mute-Taste konnte ich nicht so schnell bedienen und meine Dokumente auf dem Bildschirm teilen.

Aber das war ein falscher Eindruck. Auch jüngeren Teilnehmern ging nicht alles sofort von der Hand. Auch sie kämpften durchaus mit technischen Hürden und hatten nicht auf alle Fragen eine Antwort.

Einen entscheidenden Unterschied gab es allerdings: Sie nahmen es leichter und spielerisch.

Woher der Unterschied rührt, weiß ich nicht genau. Man sagt, wir seien damit aufgewachsen, dass es immer zu viele von uns gab. Wir haben um Anerkennung und vielfach um unsere Jobs gerungen. Wir waren immer im Wettbewerb und es war leicht, uns auszutauschen.

Vielleicht empfinden wir deshalb das Nicht-Können als so schmerzvoll oder sogar beängstigend.

Gleichwie: Die Zeiten haben sich geändert. Meine erste Lektion war: Probier es aus. Lerne aus den Dingen, die noch nicht funktionieren. Habe Geduld. Vor allem mit Dir selbst.

Bitte: Lernen Sie mit Leichtigkeit!

Über Zoom hinaus gibt es noch viel mehr zu lernen. Zwangsläufig im Home Office festgebunden, lerne ich weiter. Ich bin erstaunt, was alles digital möglich ist und vertiefe mich in Online Konzepte, Online Seminar-Methoden und werde sogar eTrainerin. Dafür bin ich dankbar.

Ich bin neugierig und lerne für mein Leben gerne. Und ja, es gibt diese Chance. Meine Seminare werden in Zukunft anders aussehen. Mein Trainer-Leben wird sich komplett verändern. Ich ahne Gutes, das auf mich zukommt.

Meine Kunden sind meist Führungskräfte in meinem Alter, also ebenfalls um die 55+. Sie müssen sich jetzt mit der Führung über räumliche Distanzen auseinandersetzen. Ganz neu sind diese Dinge nicht. Mobiles Arbeiten und Home Office gehören schon lange zu ihrer Praxis. Die Absolutheit der gegenwärtigen Situation ist jedoch neu.

Ich möchte Ihnen Mut machen. Die digitale Welt braucht auch und sogar gerade Ihre Kompetenz: Nehmen Sie es leicht. Die junge Generation macht es uns vor.

Das Gemeinschaftsgefühl stärken

Wie im Team Vertrauen und Offenheit entstehen

Im Alltag sind Führungskräfte meist auf sich gestellt. Sie geben anderen die Richtung vor.

In meinen Trainings erleben sie etwas Ungewohntes: ein Gemeinschaftsgefühl. Meine Teilnehmer reagieren überrascht: Wie kann das sein, wo es doch um „Führung“ geht?

Spätestens in der Abschlussrunde fallen diese Worte: „Was waren wir für eine tolle Gruppe!“ Die Teilnehmer sind bewegt, berührt, erfreut. Offensichtlich kennen sie aus ihrem Alltag etwas anderes.

Wie kommt das? Ist es ein Glücksfall? War die Zusammensetzung der Gruppe aus Zufall einfach optimal?

Rezept für ein gutes Gemeinschaftsgefühl

Natürlich nicht. Von wegen Zufall!

Das gute Klima und die angenehme Arbeitsatmosphäre sind das Ergebnis meines Tuns als Trainerin und Seminarleiterin. Ich kümmere mich aktiv um die Gruppenprozesse und die Zusammenarbeit.

Von der ersten Minute an bereite ich dazu den Boden. Das gute Gruppengefühl und die positive Arbeitsatmosphäre wachsen auf einer Mischung aus:

Respekt, Achtsamkeit, großer Empathie, Zuhören können; Aufmerksamkeit

  • Respekt, Achtsamkeit, großer Empathie, Zuhören können; Aufmerksamkeit
  • Erfahrung mit Gruppenprozessen
  • Moderation von praxisnahem Austausch
  • Auswahl spielerischer Übungen mit Erkenntnisgewinn bezogen das Thema
  • konkretem Praxisbezug
  • Zeitmanagement
  • einem nachhaltigen Blick auf Strukturen und Prozesse

Während des Seminars bin ich aufmerksam bei der Gruppe. Es ist eine Kombination aus Spüren und achtsamem Beobachten: außerdem dafür sorgen, dass alle im Kontakt und im Austausch bleiben; niemanden vergessen, niemanden übersehen; ein gutes Timing.

Es ist echte Arbeit. Doch das Ergebnis lohnt die Mühe: Genau so entstehen Vertrauen und Offenheit. Die Teilnehmer erfahren:

  • Vertrauen: Sie dürfen ohne Konkurrenzangst von sich erzählen.
  • Ihre Erfahrungen können sie teilen und werden gehört.
  • Sie lernen von anderen, die ähnlich aufgestellt sind wie sie
  • und erleben Gemeinschaft.
  • Sie dürfen sich selbst neu erleben und sehen
  • und in der Gruppe etwas erkennen, ohne dass es „gelehrt“ wird.
  • Inhalte können sie selbst gestalten.

Das, was scheinbar „nebenbei“ geschieht, ist der eigentliche Prozess. Als Trainerin habe ich genau das gelernt und kann mittlerweile mit Stolz sagen, dass es mir zuverlässig gelingt.

Sich „berühren“! Das ist das Geheimnis.

Menschen in eine positive und fruchtbare Arbeitsatmosphäre zu führen, ist eine äußerst befriedigende Arbeit. Manchmal wurmt es mich, dass diese Arbeit von meinen Teilnehmern kaum als Leistung erkannt wird. Das positive Seminar-Erlebnis wird als glücklicher Zufall abgetan.

Wenn ich mich an dieser Stelle dazu äußere, geht es um mehr als den Wunsch nach Anerkennung: Ein Gemeinschaftsgefühl ist machbar. Führungskräfte können etwas dazu tun, dass es auch in ihren Teams gemeinschaftlich zugeht.

Dazu gehört es, die eigene Haltung zu ändern: weg von der Führung im traditionellen Sinn, hin zum Miteinander. Es gilt, ein Grundbedürfnis von Menschen anzuerkennen: nämlich selbst zu gestalten, von anderen zu lernen, sich zu begegnen und in Kontakt zu kommen. Der Neurobiologe Gerald Hüther nennt das „in Berührung“ gehen: Niemand will als Objekt belehrt oder auch nur als solches angesprochen werden. Als soziale Wesen wollen wir in der Begegnung mit anderen berühren und berührt werden. Dann erst finden Lernprozesse statt und es entsteht Erkenntnis. Genau das geschieht in meinen Seminaren.

TeilnehmerInnen lassen sich von anderen und auch von mir „berühren“. Ich führe sie durch das Seminar und dabei erleben sie die Führung emotional. Genau so sollte Führung sein.

Hinschauen. Üben. Gemeinschaft erfahren.

Ich selbst sehe mich als Brückenbauerin. Es fällt mir leicht, Menschen und Themen auf mehreren Ebenen miteinander zu verbinden. Das liegt mir einfach und kommt mir bei meiner Arbeit zugute.

Exklusiv sind diese Fähigkeiten allerdings nicht. Am Anfang war es Intuition. Inzwischen ist daraus Erkenntnis und bewusstes Handeln geworden: Jeder, der bereit ist, der Frage Aufmerksamkeit zu schenken und zu lernen, kann die Arbeitsatmosphäre in seiner Gruppe verbessern. Mittlerweile gebe ich die Frage als Reflexionsthema in die Teilnehmergruppe: „Was führt zu diesem Klima?“ Eine gute Frage. Die behalte ich bei.

Ein Buch zu schreiben lohnt sich – und zwar ganz anders als gedacht

Von den überraschenden Chancen des Bücherschreibens: Erfahrungsbericht einer Neuautorin

„Hätten Sie Lust, ein Buch für uns zu schreiben?“ Ich bin schon im Begriff, wieder aufzulegen. Irgend so ein Spaßvogel will mir bestimmt wieder ein Angebot machen nach der Form: „Bei einer Auflage von … kostet Sie das nur … Euro.“

Großartig. Nein, herzlichen Dank. Ich brauche keinen, der mich veräppelt!

Doch zum Glück macht es im letzten Moment „Klick“: Tatsächlich hat ein richtiger Verlag Kontakt zu mir aufgenommen. Am anderen Ende der Leitung sitzt eine freundliche Lektorin. Sie hat recherchiert und mich gefunden. Wer sagt’s denn: Es gibt noch Wunder!

Es sind Momente wie diese, in denen man sich selbst kneifen möchte: Wie kommt sie auf mich? Die Antwort ist einfach: Einer meiner Blogartikel hat ihre Aufmerksamkeit geweckt. Es geht um mitarbeiterfreundliche Führung, wenn die Zeit unter den Nägeln brennt (http://www.vathke.de/de/fuehrung/).

Zwei Jahre voller freudiger Verzweiflung

Wow. Ich soll also ein Buch schreiben. Ein Verlag hat Interesse, es zu verlegen. Kann ich das? Will ich das?

Ich gebe mir einen Ruck und sage „Ja“. Im kommenden April erscheint nun mein Werk über die Führung, und zwar in dem brisanten und viel diskutierten Feld der Altenpflege. Dank der Erfahrung mit zwei großen Unternehmensgruppen der Altenpflege habe ich reichlich Stoff in petto.

Seit dem Telefonat sind inzwischen knapp zwei Jahre vergangen. Jeder in meiner Umgebung vermutet, dass ich vor Stolz platze. Jaaein. So einfach ist es nicht: Unterwegs sind mir Selbstzweifel und Scham begegnet.

Ob sich einer auf die Bühne stellt oder ein Buch schreibt: In jedem Fall geht er in die Arena. Es ist anders als in einem Seminarraum: Dieses Mal geht es um ein größeres Publikum. Sich zu zeigen und etwas zu riskieren, fordert Mut.

Schreiben stärkt die Persönlichkeit. Echt jetzt!

Angst überwinden, ein Projekt als Chance zur Weiterentwicklung sehen – das sage ich nicht nur meinen Teilnehmern in den Trainings. Das gilt nun auch für mich.

Ein Buch zu schreiben, ist ein Prozess. Es gibt Zeiten des Flows und Zeiten des Zweifels. Momente der Erleichterung, wenn die Lektorin Mut macht und positive Rückmeldung gibt. Momente in denen gar nichts geht. Schritt für Schritt taste ich mich vor: Zum Glück muss ich den Weg nicht alleine gehen.

Neben der Auseinandersetzung mit dem Ich fordert ein Buch ein gehöriges Maß an Selbstorganisation: Wie gelingt das Zeitmanagement in dichten Auftragsphasen? Wie gehe ich mit dem Druck um, wenn ich es nicht schaffe, mich zu disziplinieren? Hält die Partnerschaft eine nervöse Autorin und wenig Freizeit aus?

Wie haben andere das eigentlich geschafft? „Straffe Selbstdisziplin!“, heißt die Antwort. Na, ja …

Kaum ist die eine Hürde geschafft …

Und dann ist der letzte Satz geschrieben. Das Buch ist fertig und die Qual vergessen.

Die Autorin will sich erleichtert zurücklehnen, aber denkste! Wieder ist eine Hürde zu nehmen: Die dritte Korrekturrunde steht an. Ich kann meinen eigenen Schrieb nicht mehr sehen. Meine Güte, wie langweilig! Wer soll das denn lesen?

Erneut falle ich in leise Verzweiflung, dabei geht es doch genau jetzt darum, begeistert von meinem Werk zu berichten: Das Marketing liegt schließlich auch in meiner Hand. 

Was bleibt

So ein Buch gibt mir die Chance, zu mir zu stehen. Zu mir und meiner Arbeit. Das ist gut.

Es wird Leser geben, die meinen Stil schätzen werden. Andere weniger. So ist das. Also werde ich jetzt die Druckfreigabe erteilen.

Übrigens: Mein Buch trägt den Titel „Mitarbeiterführung in der Altenpflege. Rituale und Strategien für Ihren Führungsalltag“. Der Erscheinungstermin wird April/Mai 2019 sein. Wer sich interessiert, kann schon in Buchhandlungen vorbestellen
ISBN: 3899939956.

Führung: Ziele erreichen – auch ohne Macht

„Geht es nicht einmal ohne Widerspruch? Einfach so?“ sagen viele Führungskräfte in meinen Trainings. Sie sehnen sich nach einfachen und schnell umsetzbaren Lösungen. Doch die Gegenwart fordert einen neuen Führungsstil: Überall stellen sich Führungskräfte auf die Bedingungen der neuen Arbeitswelt ein: Agilität, schneller Wandel und VUCA sind hier die wichtigsten Stichworte – und „auf Augenhöhe führen“. Doch das ist anstrengend.

Im Stillen wünscht sich mancher die alten Zeiten zurück. Wenigstens gelegentlich. Da konnte man noch etwas bewegen! „Du machst das jetzt so. Weil ich es sage. Basta.“ Und damit war die Sache vom Tisch. Nächste Aufgabe, bitte.

Für den Fall, dass wirklich einmal Widerspruch drohte, gab es eine Reihe von Sanktionen: Verweise, Abmahnungen, Kündigungen. Da musste sich der Mitarbeiter schon überlegen, wie weit er den Mund aufreißen wollte. Schließlich warteten reichlich Arbeitskräfte vor der Tür. Die meisten fügten sich in das Notwendige.

Überzeugunsarbeit dauert

Heute arbeiten wir nicht mehr in hierarchischen Strukturen, sondern in Matrixorganisationen. Auch deshalb haben die Macht- und Sanktionsmittel früherer Zeiten heute ausgedient. Meine Seminarteilnehmer arbeiten häufig in Stellvertreterfunktionen. Viele sind jung, fachliche Vorgesetzte oder sie arbeiten in der Projektleitung. So oder so fehlen ihnen die disziplinarischen Mittel früherer Zeiten. Und damit fühlen sie sich ohnmächtig. Denn nach wie vor müssen sie Ergebnisse liefern und sind Rechenschaft schuldig – gegenüber dem Kunden, dem Auftraggeber, dem Vorgesetzten der nächsten Instanz.

Was aber tun, wenn ein Mitarbeiter einfach nicht tut, was man sich wünscht? Jeder in meinen Runden kennt solche Situationen: Wir überlegen uns Wege, wie wir andere erreichen und sie überzeugen. Wir versuchen es. Wir geben unser Bestes. Wirklich. Doch es fällt schwer, sich durchzusetzen. Wir sind genervt, wenden uns ab und schimpfen.

Doch das ist keine Lösung. Heute sind hohe Kommunikationskompetenzen erforderlich. Sie machen Mühe und Arbeit. Doch was ist die Alternative in Zeiten des Fachkräftemangels?

Wer sich in einem autoritären Führungsstil versucht, macht kurz darauf eine unangenehme Entdeckung: Die Mitarbeiter sind in die innere Kündigung gegangen und machen Dienst nach Vorschrift. Wer kann sich das noch leisten?

Autoritäre Strukturen sparen Zeit – auf den ersten Blick

Die scheinbaren Vorteile hierarchischer / klassischer Führungsstrukturen sind:

  1. Sie kosten weniger Zeit. Zeit ist kostbar und um Menschen zu überzeugen, brauchen wir reichlich davon. Diskussionen, Erklärungen und Auseinandersetzungen ziehen sich oft lange hin. Zieht einer nicht mit, heißt es, sich auf diesen Menschen einzustellen und die Gründe zu erfragen. Und dann brauchen wir noch einmal Zeit, denn wir müssen uns überlegen, was dieser Mensch davon hat, doch noch mitzugehen. Das dauert endlos und einer hat immer etwas einzuwenden. Verflixt!
  2. Dann ist da noch die Sache mit der Verantwortung. In hierarchischen Strukturen gibt es immer einen Verantwortlichen, den man heranziehen kann. Und wenn es Not tut, muss er den Kopf hinhalten. Wie aber sieht es bei temporärer Führung aus oder bei vielschichtiger Verantwortlichkeit? Hier sind alle zuständig und keiner. Ein „kollektives Verantwortungsgefühl“ ist oft nebulös.

Was Führungskräfte heute brauchen

Was brauchen Führungskräfte, die lateral und auf Augenhöhe führen?

Ein neues Rollenverständnis von Führung
Eine hohe kommunikative Kompetenz
Empathiefähigkeit
Integrationsfähigkeit
Moderationskompetenz
Verhandlungsgeschick
Die Fähigkeit, zu überzeugen
Die Fähigkeit, qualitatives Feedback zu geben
Einen partizipativen Führungsstil, verbunden mit einem positiven Menschenbild

Die Anforderung an lateraler Führung sind vielleicht höher, ja ganz bestimmt sogar. Mit der neuen Normalität müssen wir uns anfreunden. Ich stimme einem jungen Teilnehmer zu, der auf den Titel/Aussage „Führen ohne Macht“ eindeutig reagierte: „Ja, wie denn sonst?“ Genau. Wie sonst?

Rheinische Resilienz

„Frohes, neues Jahr! Was für ein Glück, dass das alte vorbei ist!“: Die Mitarbeiter eines Stammkunden von mir haben 2018 sicher so oder mit ähnlichen Worten begrüßt.

Das alte Jahr 2017 war für den Kunden wirklich hart gewesen: Wie so vielen, weht auch ihm ein rauer Wind entgegen. Seine Branche ändert sich rasant, die Strukturen im Inneren müssen folgen. Doch sie passen sich längst nicht so schnell an, wie sie müssten. Im Eifer des Gefechts unterlaufen Führungsfehler und als wäre das nicht genug, hat sich die Presse eingeschaltet. Negativ-Berichte machten die Runde, die allen Beteiligten außerordentlich peinlich waren. Ein fürchterliches Jahr, da sind sich alle einig.

„Ihr habt es doch geschafft!“

Ein Stammkunde, wie gesagt. Alljährlich kommen die Teamleiter und ich zu einem Treffen zusammen. Wir nutzen das Jahresende, um zurückzublicken und ein Thema der sozialen Kompetenz zu diskutieren.

Dieses Mal habe ich die Resilienz aufgegriffen. Das lag nahe, denn wie jeder weiß, haben Führungskräfte in der Sandwich-Position einen besonders schweren Stand. Wenn es im Unternehmen turbulent zugeht, müssen sie in alle Richtungen vermitteln. Doch wer kümmert sich um sie?

Resilienz beschreibt die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen – und zwar mit Hilfe der eigenen sozialen und persönlichen Kompetenzen. Menschen, die ihre Resilienz gut ausgebildet haben, gehen gestärkt aus Krisen hervor. Sogar noch mehr: Eine Krise bewerten sie als einen Anstoß zur persönlichen Weiterentwicklung.

Da saßen wir also beisammen, die Teamleiter und ich. Viele wirkten erschöpft, teilweise angeschlagen. Hatten die Teamleiter eigentlich einen Blick dafür, was sie 2017 geleistet haben? Mein erster Impuls war, die den Blickwinkel zu prüfen. Ja, es war schwierig gewesen. Aber sie hatten sich durchgebissen. Darauf dürfen sie stolz sein!

„Was machen wir daraus?“

Vermutlich wird die Zukunft nicht einfacher werden. Deshalb ist es für jeden von uns wichtig, die Fähigkeit zur Krisenbewältigung ganz allgemein zu schulen.
Im Team haben wir das Jahr 2017 Revue passieren lassen.

Am Ende hatten wir uns einig das vergangene Jahr

  • als Lernfeld zu betrachten und damit die Opferhaltung zu verlassen,
  • den Optimismus zu bewahren,
  • die Situation in ihrer Realität zu erkennen,
  • und immer wieder kreativ nach Lösungen zu suchen.
  • Auf sich aufpassen und gut für sich zu sorgen.
  • Verantwortung für sich und die eigenen Situation zu übernehmen.
  • Gute, wertschätzende Beziehungen zu pflegen
  • und die Gestaltung der eigenen Zukunft aktiv zu betreiben.

Im Laufe des Tages haben die Teamleiter ihren Blick auf die zurückliegenden Ereignisse erweitert. Wir haben uns positiv und nachdenklich verabschiedet.

„Et kütt wie et kütt!“ Resilienz, rheinländisch

Auf dem Weg nach Hause bin ich in Gedanken noch ganz bei den Teamleitern. Wie so oft bleibe ich an der Bahnhofsbuchhandlung stehen und stöbere bei den Postkarten. Mir fällt das Rheinische Grundgesetz in die Hand. Ich lese es und lächele. Es ist einfach zu schön … doch STOP! So habe ich es noch nie gesehen. Ich lese es nochmal und nochmal. Es gibt keinen Zweifel. Das ist Resilienz pur!

Et es wie et es!
Es ist wie es ist! Sieh‘ den Tatsachen ins Auge!

Et kütt wie et kütt!
Es kommt wie es kommt! Habe keine Angst vor der Zukunft!

Et hätt noch immer jot jejange!
Es ist bisher noch immer gut gegangen! Du hast es doch auch bis hierher geschafft. Lerne aus der Vergangenheit!

Wat fott es, es fott!
Was fort ist ist fort! Jammere den Dingen nicht nach!

Et bliev nix wie et wor!
Es bleibt nichts wie es war. Sei offen für Neuerungen!

Drinkste ene met?
Trinkst du einen mit? Komme dem Gebot der Gastfreundschaft nach! Vernetze Dich!

Do laachste Dich kapott!
Da lachst Du Dich kaputt. Bewahre Dir Deine gute Einstellung zum Humor!

Et bliev nix wie et wor! Auch für mich

Ich freue mich über das rheinische Blut in mir und sinniere über die großen Veränderungen, die für mich anstehen. Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr habe ich mit Aussortieren und Packen verbracht. Vieles, was mich über Jahre begleitet hat, wandert in die Tonne oder ich verkaufe es zu Spottpreisen. Wat fott es, es fott!

Gleich zu Beginn des Jahres werde ich nach Wiesbaden umziehen. Meine Heimat, Düsseldorf, verlasse ich. Hier bin geboren und zur Schule gegangen. Ich kenne die Cafés, Kneipen, Restaurants. Mir wird bewusst, wie verwachsen ich bin. Et bliev nix wie et wor!

Doch es gibt einen Grund, weshalb ich den Schritt wage. Ein Herzenswunsch ist in Erfüllung gegangen. Er und ich, wir werden kaum 500 Meter vom Rhein entfernt leben. Er ist Rheinländer, übrigens. Dafür lohnt es sich, wenn ich an Heiligabend mitten im Chaos unter den Kerzen „dat ärm Dier krich“ (das heulende Elend kriege).Et es wie et es!

Letztlich weiß ich mit optimistischem Rückblick auf mein Leben: Et hätt noch immer jot jejange! Ich gehe in eine positive und „reiche“ Zukunft.

2017 ist so viel in Bewegung gekommen. 2018 wird ein gutes Jahr. Ich bin ganz sicher.

Auf ein Neues! Auch Ihnen ein gutes Jahr 2018.

Und Sie wissen ja, letztlich wird es alles gut und : „et kütt wie et kütt“…