Führung: Ziele erreichen – auch ohne Macht

„Geht es nicht einmal ohne Widerspruch? Einfach so?“ sagen viele Führungskräfte in meinen Trainings. Sie sehnen sich nach einfachen und schnell umsetzbaren Lösungen. Doch die Gegenwart fordert einen neuen Führungsstil: Überall stellen sich Führungskräfte auf die Bedingungen der neuen Arbeitswelt ein: Agilität, schneller Wandel und VUCA sind hier die wichtigsten Stichworte – und „auf Augenhöhe führen“. Doch das ist anstrengend.

Im Stillen wünscht sich mancher die alten Zeiten zurück. Wenigstens gelegentlich. Da konnte man noch etwas bewegen! „Du machst das jetzt so. Weil ich es sage. Basta.“ Und damit war die Sache vom Tisch. Nächste Aufgabe, bitte.

Für den Fall, dass wirklich einmal Widerspruch drohte, gab es eine Reihe von Sanktionen: Verweise, Abmahnungen, Kündigungen. Da musste sich der Mitarbeiter schon überlegen, wie weit er den Mund aufreißen wollte. Schließlich warteten reichlich Arbeitskräfte vor der Tür. Die meisten fügten sich in das Notwendige.

Überzeugunsarbeit dauert

Heute arbeiten wir nicht mehr in hierarchischen Strukturen, sondern in Matrixorganisationen. Auch deshalb haben die Macht- und Sanktionsmittel früherer Zeiten heute ausgedient. Meine Seminarteilnehmer arbeiten häufig in Stellvertreterfunktionen. Viele sind jung, fachliche Vorgesetzte oder sie arbeiten in der Projektleitung. So oder so fehlen ihnen die disziplinarischen Mittel früherer Zeiten. Und damit fühlen sie sich ohnmächtig. Denn nach wie vor müssen sie Ergebnisse liefern und sind Rechenschaft schuldig – gegenüber dem Kunden, dem Auftraggeber, dem Vorgesetzten der nächsten Instanz.

Was aber tun, wenn ein Mitarbeiter einfach nicht tut, was man sich wünscht? Jeder in meinen Runden kennt solche Situationen: Wir überlegen uns Wege, wie wir andere erreichen und sie überzeugen. Wir versuchen es. Wir geben unser Bestes. Wirklich. Doch es fällt schwer, sich durchzusetzen. Wir sind genervt, wenden uns ab und schimpfen.

Doch das ist keine Lösung. Heute sind hohe Kommunikationskompetenzen erforderlich. Sie machen Mühe und Arbeit. Doch was ist die Alternative in Zeiten des Fachkräftemangels?

Wer sich in einem autoritären Führungsstil versucht, macht kurz darauf eine unangenehme Entdeckung: Die Mitarbeiter sind in die innere Kündigung gegangen und machen Dienst nach Vorschrift. Wer kann sich das noch leisten?

Autoritäre Strukturen sparen Zeit – auf den ersten Blick

Die scheinbaren Vorteile hierarchischer / klassischer Führungsstrukturen sind:

  1. Sie kosten weniger Zeit. Zeit ist kostbar und um Menschen zu überzeugen, brauchen wir reichlich davon. Diskussionen, Erklärungen und Auseinandersetzungen ziehen sich oft lange hin. Zieht einer nicht mit, heißt es, sich auf diesen Menschen einzustellen und die Gründe zu erfragen. Und dann brauchen wir noch einmal Zeit, denn wir müssen uns überlegen, was dieser Mensch davon hat, doch noch mitzugehen. Das dauert endlos und einer hat immer etwas einzuwenden. Verflixt!
  2. Dann ist da noch die Sache mit der Verantwortung. In hierarchischen Strukturen gibt es immer einen Verantwortlichen, den man heranziehen kann. Und wenn es Not tut, muss er den Kopf hinhalten. Wie aber sieht es bei temporärer Führung aus oder bei vielschichtiger Verantwortlichkeit? Hier sind alle zuständig und keiner. Ein „kollektives Verantwortungsgefühl“ ist oft nebulös.

Was Führungskräfte heute brauchen

Was brauchen Führungskräfte, die lateral und auf Augenhöhe führen?

Ein neues Rollenverständnis von Führung
Eine hohe kommunikative Kompetenz
Empathiefähigkeit
Integrationsfähigkeit
Moderationskompetenz
Verhandlungsgeschick
Die Fähigkeit, zu überzeugen
Die Fähigkeit, qualitatives Feedback zu geben
Einen partizipativen Führungsstil, verbunden mit einem positiven Menschenbild

Die Anforderung an lateraler Führung sind vielleicht höher, ja ganz bestimmt sogar. Mit der neuen Normalität müssen wir uns anfreunden. Ich stimme einem jungen Teilnehmer zu, der auf den Titel/Aussage „Führen ohne Macht“ eindeutig reagierte: „Ja, wie denn sonst?“ Genau. Wie sonst?

Rheinische Resilienz

„Frohes, neues Jahr! Was für ein Glück, dass das alte vorbei ist!“: Die Mitarbeiter eines Stammkunden von mir haben 2018 sicher so oder mit ähnlichen Worten begrüßt.

Das alte Jahr 2017 war für den Kunden wirklich hart gewesen: Wie so vielen, weht auch ihm ein rauer Wind entgegen. Seine Branche ändert sich rasant, die Strukturen im Inneren müssen folgen. Doch sie passen sich längst nicht so schnell an, wie sie müssten. Im Eifer des Gefechts unterlaufen Führungsfehler und als wäre das nicht genug, hat sich die Presse eingeschaltet. Negativ-Berichte machten die Runde, die allen Beteiligten außerordentlich peinlich waren. Ein fürchterliches Jahr, da sind sich alle einig.

„Ihr habt es doch geschafft!“

Ein Stammkunde, wie gesagt. Alljährlich kommen die Teamleiter und ich zu einem Treffen zusammen. Wir nutzen das Jahresende, um zurückzublicken und ein Thema der sozialen Kompetenz zu diskutieren.

Dieses Mal habe ich die Resilienz aufgegriffen. Das lag nahe, denn wie jeder weiß, haben Führungskräfte in der Sandwich-Position einen besonders schweren Stand. Wenn es im Unternehmen turbulent zugeht, müssen sie in alle Richtungen vermitteln. Doch wer kümmert sich um sie?

Resilienz beschreibt die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen – und zwar mit Hilfe der eigenen sozialen und persönlichen Kompetenzen. Menschen, die ihre Resilienz gut ausgebildet haben, gehen gestärkt aus Krisen hervor. Sogar noch mehr: Eine Krise bewerten sie als einen Anstoß zur persönlichen Weiterentwicklung.

Da saßen wir also beisammen, die Teamleiter und ich. Viele wirkten erschöpft, teilweise angeschlagen. Hatten die Teamleiter eigentlich einen Blick dafür, was sie 2017 geleistet haben? Mein erster Impuls war, die den Blickwinkel zu prüfen. Ja, es war schwierig gewesen. Aber sie hatten sich durchgebissen. Darauf dürfen sie stolz sein!

„Was machen wir daraus?“

Vermutlich wird die Zukunft nicht einfacher werden. Deshalb ist es für jeden von uns wichtig, die Fähigkeit zur Krisenbewältigung ganz allgemein zu schulen.
Im Team haben wir das Jahr 2017 Revue passieren lassen.

Am Ende hatten wir uns einig das vergangene Jahr

  • als Lernfeld zu betrachten und damit die Opferhaltung zu verlassen,
  • den Optimismus zu bewahren,
  • die Situation in ihrer Realität zu erkennen,
  • und immer wieder kreativ nach Lösungen zu suchen.
  • Auf sich aufpassen und gut für sich zu sorgen.
  • Verantwortung für sich und die eigenen Situation zu übernehmen.
  • Gute, wertschätzende Beziehungen zu pflegen
  • und die Gestaltung der eigenen Zukunft aktiv zu betreiben.

Im Laufe des Tages haben die Teamleiter ihren Blick auf die zurückliegenden Ereignisse erweitert. Wir haben uns positiv und nachdenklich verabschiedet.

„Et kütt wie et kütt!“ Resilienz, rheinländisch

Auf dem Weg nach Hause bin ich in Gedanken noch ganz bei den Teamleitern. Wie so oft bleibe ich an der Bahnhofsbuchhandlung stehen und stöbere bei den Postkarten. Mir fällt das Rheinische Grundgesetz in die Hand. Ich lese es und lächele. Es ist einfach zu schön … doch STOP! So habe ich es noch nie gesehen. Ich lese es nochmal und nochmal. Es gibt keinen Zweifel. Das ist Resilienz pur!

Et es wie et es!
Es ist wie es ist! Sieh‘ den Tatsachen ins Auge!

Et kütt wie et kütt!
Es kommt wie es kommt! Habe keine Angst vor der Zukunft!

Et hätt noch immer jot jejange!
Es ist bisher noch immer gut gegangen! Du hast es doch auch bis hierher geschafft. Lerne aus der Vergangenheit!

Wat fott es, es fott!
Was fort ist ist fort! Jammere den Dingen nicht nach!

Et bliev nix wie et wor!
Es bleibt nichts wie es war. Sei offen für Neuerungen!

Drinkste ene met?
Trinkst du einen mit? Komme dem Gebot der Gastfreundschaft nach! Vernetze Dich!

Do laachste Dich kapott!
Da lachst Du Dich kaputt. Bewahre Dir Deine gute Einstellung zum Humor!

Et bliev nix wie et wor! Auch für mich

Ich freue mich über das rheinische Blut in mir und sinniere über die großen Veränderungen, die für mich anstehen. Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr habe ich mit Aussortieren und Packen verbracht. Vieles, was mich über Jahre begleitet hat, wandert in die Tonne oder ich verkaufe es zu Spottpreisen. Wat fott es, es fott!

Gleich zu Beginn des Jahres werde ich nach Wiesbaden umziehen. Meine Heimat, Düsseldorf, verlasse ich. Hier bin geboren und zur Schule gegangen. Ich kenne die Cafés, Kneipen, Restaurants. Mir wird bewusst, wie verwachsen ich bin. Et bliev nix wie et wor!

Doch es gibt einen Grund, weshalb ich den Schritt wage. Ein Herzenswunsch ist in Erfüllung gegangen. Er und ich, wir werden kaum 500 Meter vom Rhein entfernt leben. Er ist Rheinländer, übrigens. Dafür lohnt es sich, wenn ich an Heiligabend mitten im Chaos unter den Kerzen „dat ärm Dier krich“ (das heulende Elend kriege).Et es wie et es!

Letztlich weiß ich mit optimistischem Rückblick auf mein Leben: Et hätt noch immer jot jejange! Ich gehe in eine positive und „reiche“ Zukunft.

2017 ist so viel in Bewegung gekommen. 2018 wird ein gutes Jahr. Ich bin ganz sicher.

Auf ein Neues! Auch Ihnen ein gutes Jahr 2018.

Und Sie wissen ja, letztlich wird es alles gut und : „et kütt wie et kütt“…

Mein Ausstieg „light“: Was schief ging und was ich gelernt habe

Pause oder aussteigen: Was tun, wenn der Wunsch nach Neuem übermächtig wird?

Irgendwann erwischt es wohl jeden: die Sehnsucht, etwas ganz anderes zu tun. Etwas Einfaches. Greifbares. Schlichtes. Etwas, bei dem man nicht so viel denken muss. Was man erzählen kann. Was jeder versteht.

Feierabend haben, wenn Feierabend ist. Kennen Sie den Wunsch? Oh, wär‘ das schön!

Wovon träumen Sie? Eine Currywurst-Bude auf Sylt vielleicht? Ein Sommer auf der Alm? Brunnen bohren in Afrika? Ach, egal. Hauptsache: raus!

Genau darum kreisten meine Gedanken. Seit über 20 Jahren bin ich Trainerin und Coach. Ich liebe meinen Beruf. Dennoch beschleicht mich hier und da der Gedanke, etwas ganz anderes zu versuchen. Aber was? Ich habe gesucht und gefragt und nach einigen kreativen Gesprächsrunden wusste ich es: Ich wollte schon immer in einer Bäckerei arbeiten. Ich liebe den Geruch von frisch gebackenem Brot. Er aktiviert sämtliche Geschmacksnerven. Wir Deutschen haben super leckeres Brot, finde ich, und immerhin habe ich zehn Jahre mit Freude verkauft.

Aufstieg und Fall in vier Stunden

Gesagt, getan. Als die Bäckerei um die Ecke eine Aushilfe suchte, habe ich „hier“ gerufen. Es war ein kurzes Bewerbungsgespräch. Dann fing das Probearbeiten an.

Um es kurz zu machen: Ein Naturtalent bin ich nicht. Ich habe ordentlich geschluckt, was man alles falsch machen kann in einer ach so schlichten Bäckerei: 200 Artikel, eine Touch-Screen-Kasse, ein ausgetüfteltes Warenwirtschaftssystem, das Fehler nur in engen Toleranzen zulässt. Kunden haben es eilig. Die Handgriffe waren ungewohnt und eine Filiale muss Umsatz-Ziele erbringen.

Packen Sie mal frisch geschnittenes Brot in eine Tüte – Stress pur! Gott sei Dank klappte der Kundenkontakt. Noch immer bin ich dankbar für die Geduld der Kolleginnen.

Brötchen zu verkaufen, ist nur scheinbar leicht. Die Aufgabe hat alles von mir gefordert. Nach ein paar Stunden habe ich das Handtuch geworfen. Einfach Aufgegeben.

In einer Bäckereien zu stehen, ist kein leichtes Arbeiten. Vom Stundenlohn wollen wir gar nicht sprechen. Ich stand unter Dauerstress, machte permanent Fehler und war schlichtweg ungeschickt. Lernte, meine zwei linken Hände kennen.

Geduld! Und Respekt vor scheinbar Einfachem.

Was nehme ich mit aus dem Versuch? Lessons learned:

  • Etwas Neues zu lernen, erfordert ein hohes Maß an Geduld.
    Eine gute Balance zwischen Motivation und Demotivation zu halten, ist eine Kunst.
  • Fehler gehören dazu.
    Doch das ist leichter gesagt als getan. Die Erwartungen an sich selbst wie auch die Erwartung der Führenden stehen im Weg. Die Leichtigkeit, etwas auszuprobieren, geht immer mehr verloren. Und um der Wahrheit die Ehre zu geben: Meine eigene Fehlerkultur ist sehr bescheiden.
  • Scheinbar einfachen Tätigkeiten mit Respekt begegnen.
    Auch Bäckereien sind auf dem Weg der Digitalisierung und fordern ihre Mitarbeiter. Vielleicht eine Möglichkeit, den Respekt wieder zu entwickeln: Führungskräfte sollten einmal einen Tag ihre Mitarbeiter begleiten, um zu sehen, welche Leistung sie täglich erbringen. Da wird es sicherlich Überraschungen geben.

Mit der Ruhe kamen die Lebensgeister zurück

Was ist aus meinem Wunsch geworden, einfach mal „auszusteigen“? Ich schreibe diesen Artikel während meiner Sommer-Auszeit in Irland. Kaum war ich auf der Insel, fand ich in einen anderen Energiezustand zurück. Die Lust zu schreiben, wurde wach. Ich spürte wieder Neugierde. Für mich geht es wohl einfach um eine Pause. Um Abstand. Darum zu spüren, was noch Spaß macht.

Kaum war der Zeitdruck draußen, entstanden neue Impulse. Der Sinn meiner Arbeit war für mich wieder sichtbar. Mal eben so. Ist doch ganz einfach.

Kleine Handlung, großer Effekt

Mitarbeiter begrüßen – Signal, Neuigkeiten und Probleme lösen

Morgens eine kurze Runde gehen und alle Mitarbeiter begrüßen bringt mehrere Vorteile. Zu erst einmal bringen Sie sich und Ihr Team in eine freundlich, angemessene Stimmung. Der Tag kann losgehen. Und nicht nur das.

Was ist zu tun?

  • Begrüßen Sie jeden einzelnen Mitarbeiter per Handschlag
  • Fragen Sie, wie es ihm geht und schauen sich höflich in die Augen. Sie sehen Ihren Mitarbeitern manchmal schon an, wie es ium sie steht.
  • Eine Anmerkung zum Tag oder Arbeit fallen lassen. Was ist heute angesagt? Was gibt es zum Thema oder Tag zu sagen?
  • Wichtige Themen aufnehmen, direkt klären oder sagen wie es damit weitergeht. Sie hören zu und entscheiden, was zu tun ist.

7 Gründe, warum diese maximal 30 Minuten bestens investiert sind:

  1. Menschen wollen/brauchen Kontakt zum Chef. Wir sind soziale Wesen.
  2. Der morgendliche Handschlag ist Symbol für Zusammenarbeit und hat eine Kraft.
  3. MA schätzen Rituale, weil sie ein Teamgefühl geben und ein zeichen der Verbundenheit ist.
  4. Chef zeigt: ich will wissen, wie es dir geht. Du bist wichtig.
  5. MA wissen: Mein Chef ist Mensch, wie jeder andere auch, ich kann ihn ansprechen und er hört mir zu.
  6. Das Gespräch ergibt sich leicht und automatisch, ohne Krampf und Termin. Chef erfährt woran MA gerade arbeiten (manche wissen es nämlich gar nicht)
  7. Die „Kittel-brennt-Faktoren“ werden angesprochen bevor sie eskalieren und sparen damit Zeit.

Fazit:
Nutzen Sie die Chance dieses Rituals! Es sind 30 Minuten mit hoher Führungs Effizienz!

Führung

Wie Sie in 30 Minuten motivierte Mitarbeiter bekommen

„Ich würde ja gerne meine Mitarbeiter mehr führen, aber ich habe keine Zeit!“ klagen meine Teilnehmer in den Führungs-Seminaren. Die steigende Arbeitsdichte und immer weniger Personal fordern ihren Tribut. Das Gespräch mit den Mitarbeitern kommt zu kurz.

Ich erlebe Führungskräfte, deren Zeitmanagement schon zig-fach optimiert ist. Sie arbeiten sehr effizient. In eng getakteten Terminen hetzen sie von Termin zu Termin, von Meeting zu Meeting. Sie leisten einen hohen fachlich-konzeptionellen und strategischen Einsatz.

Führungslos – in 97 Prozent der Zeit

Führungskräfte werden immer häufiger zu Sklaven ihrer Termin-Kalender. Doch nicht nur sie haben ein Problem. Fragen Sie sich einmal selbst: Wenn Sie sich ihre durchschnittliche Arbeits-Woche vor Augen führen – wie viel Zeit nehmen Sie sich für jeden Ihrer Mitarbeiter?

Gemeint ist die Zeit, in denen Ihre Mitarbeiter Ihre volle Aufmerksamkeit haben – ohne Störungen durch Telefonate oder E-Mails. Was meinen Sie?

In der Fachliteratur geht man von 1 bis 3 Prozent der Arbeitszeit aus. Im Umkehrschluss heißt das: Ihre Mitarbeiter arbeiten 97 bis 99 Prozent der Zeit ohne Führung.

Führung bedeutet, zielgerichtet Einfluss zu nehmen.
Wie soll das in 1 bis 3 Prozent der Zeit gelingen?

Lassen Sie sich das noch einmal auf der Zunge zergehen: Drei Prozent einer 50-Stunden-Woche sind 90 Minuten – für alle Mitarbeiter zusammen.

Ihre Mitarbeiter sind noch da? – Glück gehabt!

Die Folgen der fehlenden Aufmerksamkeit lassen nicht lange auf sich warten. In meinen Seminaren ist von Demotivation, komplexen Konflikten unter den Mitarbeitern, Leistungsabfall und Widerstand bei Veränderungen die Rede. Die Führungskräfte in den Seminare wundern sich und äußern Ärger und Unverständnis.

Mal ehrlich: Wundert Sie das wirklich?

Gespräche über Motivation, Konflikt-Klärung und die Rückmeldung zu Leistungen sind Kernaufgaben der Führung – ebenso das Behandeln von Widerständen und Ängsten in Change Prozessen.

Wenn die Aufgaben nicht erfüllt sind, folgt der Ärger auf dem Fuß. Führung kostet Zeit und Führungskräfte haben zu wenig davon. Sie stehen in einem Dilemma. Das ist wahr. Nur wundern muss man sich nicht.

Erstaunlich ist doch viel mehr, dass die Mitarbeiter dennoch Leistungen erbringen – trotz der fast vollständig fehlenden Führung. Das ist grandios und der Anerkennung wert!

Zeit für die Führung planen

Eine einfache Lösung gibt es nicht. Meine Empfehlung an Führungskräfte lautet, „Bewusstheit“ zu praktizieren.

  • Nehmen Sie auch die „kleinen“ Kontakte als Führungstätigkeit wahr. Die E-Mail, das Telefon-Gespräch oder die Anweisung: Das alles sind Kontakte, die es als solche zu erkennen gilt.
  • Auch informelle Kontakte sind Kontakte: die morgendliche Begrüßung, der Glückwunsch zum Geburtstag, die Frage nach dem Urlaub. Planen Sie diese Gespräche bewusst.
  • Die offiziellen Gesprächsanlässe wie die Leistungsbeurteilung planen Sie bestimmt ohnehin. Warum planen Sie neben den „Pflichtterminen“ nicht auch „Kür“-Termine? Gelegenheiten sind der Jahresanfang oder das Jahresende.

Eine ruhige halbe Stunde mit Ihren Mitarbeitern ist Gold wert: Sprechen Sie mit ihnen, wie es ihnen bei der Arbeit wirklich geht und wo sie gerade stehen. Solch ein „Zeitinvest“ kann Wertschätzungs-Wunder für beide Seiten bewirken: für den Mitarbeiter, weil er sich wahrgenommen fühlt; für die Führungskraft, weil sie nicht selten unerwartet Bestätigung bekommt.