Archiv für den Monat: Mai 2015

Führung

Wie Sie in 30 Minuten motivierte Mitarbeiter bekommen

„Ich würde ja gerne meine Mitarbeiter mehr führen, aber ich habe keine Zeit!“ klagen meine Teilnehmer in den Führungs-Seminaren. Die steigende Arbeitsdichte und immer weniger Personal fordern ihren Tribut. Das Gespräch mit den Mitarbeitern kommt zu kurz.

Ich erlebe Führungskräfte, deren Zeitmanagement schon zig-fach optimiert ist. Sie arbeiten sehr effizient. In eng getakteten Terminen hetzen sie von Termin zu Termin, von Meeting zu Meeting. Sie leisten einen hohen fachlich-konzeptionellen und strategischen Einsatz.

Führungslos – in 97 Prozent der Zeit

Führungskräfte werden immer häufiger zu Sklaven ihrer Termin-Kalender. Doch nicht nur sie haben ein Problem. Fragen Sie sich einmal selbst: Wenn Sie sich ihre durchschnittliche Arbeits-Woche vor Augen führen – wie viel Zeit nehmen Sie sich für jeden Ihrer Mitarbeiter?

Gemeint ist die Zeit, in denen Ihre Mitarbeiter Ihre volle Aufmerksamkeit haben – ohne Störungen durch Telefonate oder E-Mails. Was meinen Sie?

In der Fachliteratur geht man von 1 bis 3 Prozent der Arbeitszeit aus. Im Umkehrschluss heißt das: Ihre Mitarbeiter arbeiten 97 bis 99 Prozent der Zeit ohne Führung.

Führung bedeutet, zielgerichtet Einfluss zu nehmen.
Wie soll das in 1 bis 3 Prozent der Zeit gelingen?

Lassen Sie sich das noch einmal auf der Zunge zergehen: Drei Prozent einer 50-Stunden-Woche sind 90 Minuten – für alle Mitarbeiter zusammen.

Ihre Mitarbeiter sind noch da? – Glück gehabt!

Die Folgen der fehlenden Aufmerksamkeit lassen nicht lange auf sich warten. In meinen Seminaren ist von Demotivation, komplexen Konflikten unter den Mitarbeitern, Leistungsabfall und Widerstand bei Veränderungen die Rede. Die Führungskräfte in den Seminare wundern sich und äußern Ärger und Unverständnis.

Mal ehrlich: Wundert Sie das wirklich?

Gespräche über Motivation, Konflikt-Klärung und die Rückmeldung zu Leistungen sind Kernaufgaben der Führung – ebenso das Behandeln von Widerständen und Ängsten in Change Prozessen.

Wenn die Aufgaben nicht erfüllt sind, folgt der Ärger auf dem Fuß. Führung kostet Zeit und Führungskräfte haben zu wenig davon. Sie stehen in einem Dilemma. Das ist wahr. Nur wundern muss man sich nicht.

Erstaunlich ist doch viel mehr, dass die Mitarbeiter dennoch Leistungen erbringen – trotz der fast vollständig fehlenden Führung. Das ist grandios und der Anerkennung wert!

Zeit für die Führung planen

Eine einfache Lösung gibt es nicht. Meine Empfehlung an Führungskräfte lautet, „Bewusstheit“ zu praktizieren.

  • Nehmen Sie auch die „kleinen“ Kontakte als Führungstätigkeit wahr. Die E-Mail, das Telefon-Gespräch oder die Anweisung: Das alles sind Kontakte, die es als solche zu erkennen gilt.
  • Auch informelle Kontakte sind Kontakte: die morgendliche Begrüßung, der Glückwunsch zum Geburtstag, die Frage nach dem Urlaub. Planen Sie diese Gespräche bewusst.
  • Die offiziellen Gesprächsanlässe wie die Leistungsbeurteilung planen Sie bestimmt ohnehin. Warum planen Sie neben den „Pflichtterminen“ nicht auch „Kür“-Termine? Gelegenheiten sind der Jahresanfang oder das Jahresende.

Eine ruhige halbe Stunde mit Ihren Mitarbeitern ist Gold wert: Sprechen Sie mit ihnen, wie es ihnen bei der Arbeit wirklich geht und wo sie gerade stehen. Solch ein „Zeitinvest“ kann Wertschätzungs-Wunder für beide Seiten bewirken: für den Mitarbeiter, weil er sich wahrgenommen fühlt; für die Führungskraft, weil sie nicht selten unerwartet Bestätigung bekommt.