Archiv für den Monat: Januar 2015

Mitarbeiterbefragung

Mitarbeiterbefragung: Chance, die Teamkultur zu gestalten

Mitarbeiterbefragungen sind dazu gedacht, Mängel in Führung und Kommunikation aufzudecken und zu beheben. Ihr Ziel ist es, die Mitarbeiterzufriedenheit und somit den Unternehmenserfolg zu stärken. Für Führungskräfte sind sie zugleich ein Mittel, die Kultur ihres Teams zu prägen. Sie haben die Gelegenheit zu zeigen, wofür sie stehen – denn mit ihrem Verhalten wird erkennbar, in wie weit Führungskräfte zu ihrem Wort stehen.

Mitarbeiterbefragungen erinnern mich zuweilen an psychologische Schnelltests in den Zeitschriften: Man lernt etwas von sich, befriedigt die Neugier – und dabei bleibt es. Nach meiner Erfahrung interessieren sich Führungskräfte ganz außerordentlich für die Ergebnisse einer Befragung. Wenn es um die Nachbereitung geht, lässt die Begeisterung merklich nach. Diese Handlungsunlust zieht zweierlei nach sich: Das Entwicklungspotential der Organisation liegt weiter brach. Und wenn Befragungen regelmäßig ohne Wirkung bleiben, muss man sich nicht wundern, wenn sie die Mitarbeiter nicht ernst nehmen. Im letzten Jahr durfte ich eine richtig gut durchdachte Mitarbeiterbefragung begleiten. Aus meiner Sicht eignet sich die Befragung als Musterbeispiel. Was diesen Auftrag außerdem spannend macht: „Musterhaft“ bedeutet nicht „ohne Widerstände“.

Erst die Diskussion füllt die Befragung mit Leben

Meine Aufgabe lag in der Durchführung mehrerer Nachfolge-Workshops. Ich durfte die Ergebnisse der Befragung präsentieren und die daraus folgenden Maßnahmen moderieren. Das Unternehmen verändert sich zur Zeit sehr stark. Große Überraschungen gab es dennoch nicht: Die Antworten spiegelten die Situation des Teams wie erwartet wider. In den Monaten zuvor hatten die Mitarbeiter zusammen mit den Führungskräften Vieles mit gutem Ergebnis erreicht. Zu recht waren sie darauf stolz und nutzen den Workshop als Gelegenheit, die Ergebnisse zu würdigen. Schattenseiten gab es natürlich auch. Der Workshop diente als Forum, um die Mängel aufzuarbeiten. Dies war die Stunde der Führungskräfte. Sie fragten die Mitarbeiter: Wo stehen wir? Wie erklären wir uns das Ergebnis? Wo sind wir uns in der Wahrnehmung einig und wo nicht? Es entspann sich eine erfreulich ehrliche und offene Diskussion. Gemeinsam suchten die Teilnehmer nach Lösungen und diskutierten sie kritisch: Übernimmt jeder seinen Teil der Verantwortung? Ist jeder Einzelne in der Lage, die Zielvorgaben mit Leben zu füllen oder bleiben die Vorgaben ein Zahlenspiel? Inwieweit sind die Teilnehmer bereit, sich auf die Diskussionsergebnisse einzulassen? Ich begleite das Unternehmen schon seit einiger Zeit und habe mich über eine beeindruckend konstruktive Diskussion gefreut. Die Mitarbeiter und ihre Führungskräfte konnten viele organisatorische Fragen klären. Zugleich war der Workshop eine Gelegenheit, auf das Miteinander zu schauen: Wie gehen wir miteinander um? Wie begegnen wir unseren Kunden? Wie zufrieden sind wir mit der Führung? Es war deutlich zu spüren: Das tut sich was …. die Veränderungen greifen.

Widerstand akzeptieren, Glaubwürdigkeit stärken

Dennoch war nicht alles rosig. Von einigen Mitarbeitern gab es Widerstand. Die Kritik betraf den Sinn und Nutzen der Befragung. „So eine Befragung ändert doch sowieso nichts“, war die Quintessenz ihrer Haltung. Diese Mitarbeiter hatten schon während der Befragung Teile des Fragebogens unausgefüllt gelassen. Ihr so zum Ausdruck gemachter Protest zog weiße Flecken in den Ergebnisberichten nach sich. Mir kam die Gruppe vor wie ein kleines gallisches Dorf in einem großen Konzern. Ja, auch das gibt es – und es ist gut so! Die Gruppe war unbequem für die Führungskräfte und für mich als Trainerin. Jedoch stand die gesamte Befragung im Zeichen der Freiwilligkeit. Jetzt hieß es, zum eigenen Wort zu stehen. Dreh- und Angelpunkt der Befragung wie auch der resultierenden Vereinbarungen ist die Nachhaltigkeit. Dies gilt vor allem mit Blick auf die Widerstandsgruppe. Ihre Verweigerung muss einen Grund haben und der liegt aller Wahrscheinlichkeit nach in schlechten Erfahrungen der Vergangenheit. Umso mehr kommt es darauf an, die verabschiedeten Maßnahmen umzusetzen und nachzuhalten: Werden die Maßnahmen zur Verbesserung des Informationsflusses wirklich umgesetzt? Wird der beschlossene Jour Fix konsequent eingehalten? Setzt man sich in der Abteilung XYZ wirklich zusammen, um gemeinsame Lösungen zu erarbeiten? Werden sich die Führungskräfte konstruktiv mit dem Widerstand der Mitarbeiter auseinander setzen – als sichtbares Zeichen dafür, dass tatsächlich neue Zeiten angebrochen sind? Mein Tipp Eine Mitarbeiterbefragung ist eine riesige Chance für Führungskräfte, ihren Arbeitsbereich zu gestalten und die Kultur zu prägen. Nur selten bekommen sie im Alltag ein Feedback und können darauf reagieren. Zugleich ist eine Mitarbeiterbefragung die Gelegenheit, über Motivation, Zusammenarbeit, Arbeitsbedingungen und die Strategie der Organisation zu sprechen. Es liegt an den Führungskräften, etwas aus der Mitarbeiterbefragung zu machen und einen Gewinn für sich selbst und das Team daraus zu ziehen.